Erasmus à Lille

In diesem Blog möchte ich meine Erlebnisse als Erasmus-Student während meiner zwei Semester in Frankreich (Lille) schildern. Lille, eine Metropole im Norden Frankreichs, wird ab 1. September 2005 meine Heimat für 10 Monate werden. An meinem Leben als Erasmus-Student, den vielen neuen Eindrücken beim Umzug in ein fremdes Land und allem was mich noch erwartet, möchte ich euch auf diesem Wege teilhaben lassen.

Saturday, November 19, 2005

Nuisances

Heute durften wir ein wenig Sonne genießen - die Stimmung verändert sich an solchen Tagen gleich allgemein zum positiven. Das war ein Glücksfall, ansonsten hätte ich mich über die drei Ärgernisse des Tages sicherlich schlimmer aufgeregt. Da ich meinen Arzt noch bezahlen muss, wollte ich ihn heute endlich aufsuchen, da ich die Zeit dafür seit Wochenbeginn nicht gefunden hatte. Nach einem kurzen Spaziergang in der Sonne (glücklicherweise wusste ich heute ja, wo ich hinwollte) stand ich also vor seinem Tor, das ich verschlossen vorfand. Ein Blick auf die Informationstafel genügte, um mir klarzumachen, dass ich die Öffnungszeiten besser bei meinem ersten Besuch aufgeschrieben hätte.

Montag: 10-12
Dienstag: 12-14
Mittwoch: 14-17
Donnerstag: 14-16
Freitag: 17:30-18:30

Nun, für meinen Garagendoktor (dies ist wie beschrieben nicht abwertend gemeint) scheint das ganze wohl wirklich eher Hobby als Beruf zu sein.
Da ich gegen 11h dort war, und um 17:30 keine Zeit hatte, um wiederzukommen, wird er nun auf sein Geld noch warten müssen. Mir ist es relativ egal, gesundheitlich bin ich ja fast wiederhergestellt.

Am Nachmittag traf ich mich dann mit Manu, einer Französischstudentin aus Österreich zum Kaffeetrinken, wo wir viele lustige Uni-Geschichten austauschten. Ich erhielt u.a. die Bestätigung, dass Professoren hier von einem Erasmus-Bonus nichts wissen, und Arbeiten völlig gleich bewerten wie solche französischer Studenten. Vom Kaffee aus konnten wir übrigens das Riesenrad am Grand Place bewundern, das dort seit einiger Zeit steht, umringt von weihnachtlich aussehenden Hütten, deren Zweck bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Sicherheitshalber ertönt aus der Mitte des Hüttenkreises bereits (überaus grauenvolle) Weihnachtsmusik. Was es mit dem ganzen auf sich hat, ist derzeit nicht bekannt, entsprechende Nachforschungen sind aber in vollem Gange.

Als in Gare Lille Flandres dann meine Heimreise antreten wollte, entschloss ich mich, mir eine Ausgabe der Tageszeitung "Le Monde" zu gönnen. Dies jedenfalls war meine Absicht, die allerdings von einem recht unfreundlichen Shop-Verkäufer vereitelt wurde, der sich strikt weigerte, mir meine gewählte Zeitung verkaufen. Begründet wurde das ganze mit einem an Freitagen geltenden Mindestpreis von 6.50 Euro. So sollte ich gezwungen werden, mir noch etwas auszusuchen, das ich eigentlich nicht wollte. Da sich der Verkäufer nicht erweichen ließ, und ich hingegen keinerlei Absichten hatte, 6.50 Euro auszugeben, und zuallem kein Freund dieser Art von Verkaufsstrategien bin, werde ich den Gratis-Le-Monde eben im Internet lesen. Ich hoffe, der Verkäufer hat mit 0 Euro tatsächlich mehr Freude, als mit dem Preis einer Tageszeitung, den ich gewillt war zu zahlen.

Leider sind die Ärgernisse des Tages damit noch nicht erledigt - auch wenn ich die folgenden dank der späten Stunde bereits dem Samstag zurechnen könnte. Französisch-Hausübung. Unnötig, ärgerlich, und leider noch nicht erledigt. Wie berichtet finden jeden Samstag 3h-Französischkurs statt. Leider hat sich dieser Kurs nicht gerade als besonders aufregend entpuppt. Genauer gesagt ist es der am wenigsten motivierende Sprachunterricht den ich jemals erleben musste (und beim Französischunterricht meiner Schulzeit ist das eine beachtliche Leistung). Leider kann man uns Naturwissenschaftler und Techniker mit Themen zur Kindeserziehung nicht unbedingt begeistern, und dies scheint das bevorzugte Thema unserer Professorin zu sein. Jedenfalls befassten sich bisher alle vier bisherigen Einheiten mit diesem spannenden Thema, das wohl jeder von uns schon in der Schulzeit (unter vielen anderen spannenden Themen) bis zum bitteren Ende (in Form von Schularbeiten) diskutieren und analysieren durfte. Die Motivationsfühler der Professorin scheinen leider derzeit defekt zu sein, sonst hätte sie bemerkt, dass sich niemand freiwillig an ihren gewünschten Diskussionen beteiligt. Der Lerneffekt bleibt denkbar gering, somit sinkt die Motivation unaufhörlich. Da ich den Kurs für mein Studium vermutlich nicht verwenden werde können, vernichtet das sogar den Wunsch, die Prüfung absolvieren zu können. Deshalb habe ich hier eine Angabe zu einer Aufgabe zum hochaktuellen, noch nie dagewesenen Thema "Fernsehen - schlecht für Kinder?" vor mir liegen, und soll eine Zusammenfassung darüber schreiben. Mal sehen, ob sich die Motivation um 00:30 dafür finden lässt.

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