Erasmus à Lille

In diesem Blog möchte ich meine Erlebnisse als Erasmus-Student während meiner zwei Semester in Frankreich (Lille) schildern. Lille, eine Metropole im Norden Frankreichs, wird ab 1. September 2005 meine Heimat für 10 Monate werden. An meinem Leben als Erasmus-Student, den vielen neuen Eindrücken beim Umzug in ein fremdes Land und allem was mich noch erwartet, möchte ich euch auf diesem Wege teilhaben lassen.

Wednesday, November 30, 2005

Nui...äh...Neuigkeiten!

Ist es beunruhigend, wenn man jeden Eintrag mit "Nuisances" betiteln möchte?

Nun, es gibt auch eine Menge erfreuliche Dinge.

Am Samstag den 26.11. hatten wir geplant, nach Brügge zu reisen, dort zu übernachten, und am Sonntag Gent zu besichtigen. Um günstigstmöglichst zu Reisen hätten wir aber sehr pünktlich den Französischkurs verlassen müssen, da wir innerhalb von 40min die Stadt durchqueren hätten müssen, um den Bus zu erwischen. Durch verschiedene Umstände wurde das gleichmal vereitelt. Pete irritierte mich, indem er (unabsichtlich! Er hatte nicht mitbekommen, dass der Kurs eigentlich schon zu Ende war) um 12:03 eine Diskussion mit der Lehrerin begann, welche dann auch bis 12:10 dauerte. Wir liefen zur Metrostation - um dort niemanden vorzufinden. Es sollte noch zehn weitere Minuten dauern, bis Oriane und Martin auftauchten, gemütlichen Schrittes, lachend und tratschend. Meine Stimmung war zugegebenermaßen schon ziemlich getrübt - Reisen zu organisieren ist zwar angenehm, aber dennoch ein wenig Aufwand, und wenn sich dann niemand um Termine kümmert, verärgert mich das doch ein wenig. In richtigen Unmut wurde meine Stimmung aber durch die nächste Meldung von Martin verkehrt - er würde nicht mitkommen. Bei "dem Wetter" hatte er kein Interesse an der Reise. Nett. Was hatte er erwartet, in le Nord? Weiters würden auch Karolina und Magda nicht an der Reise, da sie dank mitternächtlichem Spaziergang im Schneetreiben krank geworden waren. Nachdem wir von Martin noch das Versprechen erhalten hatten, er würde in der Jugendherberge anrufen, und die Reservierung ändern, machten wir uns zu dritt auf den Weg. Den Bus hatten wir klarerweise verpasst, weshalb wir uns zum Bahnhof begaben. Während wir auf den Zug warteten, nutzte ich die Gelegenheit um meine ersten "Frites" zu essen. Was soll ich sagen - für ein typisches Gericht der Region eher sehr gewöhnlich ;-)
Nach einer relativ kurzen Fahrt erreichten wir Brügge. Das Wetter hatte sich inzwischen etwas gebessert. Dies sollte allerdings nur Täuschung sein. Sobald wir uns auf den Weg zur Jugendherberge Charlie Rockets gemacht hatten, mussten wir auch schon den Regenschirm auspacken. Während uns Vorzeigeengländer Pete zuerst wie üblich versichern wollte, es handle sich keineswegs um Regen, lediglich um erhöhte Luftfeuchtigkeit, überlegte er sich es jedoch bald anders, und stülpte sich eine Kapuze über den Kopf.
In der Jugendherberge mussten wir feststellen, dass Martin sein Versprechen keineswegs eingelöst hatte, und noch immer sechs Leute erwartet wurden. Da wir früh genug angekommen waren, mussten wir schließlich doch nicht das ganze Zimmer bezahlen. Trotzdem hatte sich meine Stimmung durch die Aussicht, für zwei Betten statt für eines bezahlen zu müssen, nicht verbessert.
Den Samstag verbrachten wir dann damit, das touristische Brügge zu besichtigen. Wenn man's nicht wüsste, man könnte sich in einer englischen Stadt wähnen, wenn man durch die Straßen schlendert. Brügge ist voll mit Engländern. Zu geschätzten 70%, zumindest im Zentrum. Der Rest teilt sich dann vermutlich auf 20% andere Touristen, und 10% Einheimische auf. Eine schöne Stadt - die häufige Bezeichnung "Venedig des Nordens" ist nicht unverdient.
Am Abend weigerte sich Pete das zu essen, was er als "Drunk-Food" bezeichnet: Kebap, Frites & co. Deshalb konnte ich die kleinste Pizza seit Jahren genießen, die jedoch recht gut war.
Die Nacht verbrachten wir schließlich zu dritt im 6-Bett-Zimmer, bis 03:00 konnten wir allesamt kein Auge schließen, wegen unglaublich nervtötendem Techno-Bumm-Dumm vom unteren Stock. Charlie Rockets möchte nämlich zusätzlich zur JH eine Bar sein, dem Interieur nach eine Biker-Bar. Irgendjemand hat dem Besitzer aber zu sagen vergessen, welche Art von Musik damit üblicherweise einhergeht. Alle 20min wurde die Lautstärke dann erhöht, das ganze bis 04:00.
Den Morgen verbrachten wir dann damit, Frühstück zu finden, da Oriane das JH-Frühstück nicht mochte, und sich sicher war, etwas günstigeres zu finden (3 Euro in der JH. Ja, Oriane, nicht jeder will ein Pain au chocolat zum Frühstück, manche möchten lieber Kaffee, den's in der Boulangerie nicht gibt!). Schließlich bezahlten wir ca. 7 Euro in einer Sandwicherie - Sandwich und Kaffee waren aber zugegebenermaßen ziemlich gut.
Nach einer neuerlichen Zugfahrt erreichten wir schließlich Gent, wo wir den Sonntag verbrachten. Vielleicht lag es am Wetter, aber wir fanden Gent nicht sonderlich aufregend. Durchaus eine nette Stadt, aber mehr als den Sonntag-Nachmittag hätten wir nicht unbedingt dort verbringen wollen. Zu Mittag aßen wir Suppe, da alles andere unerschwinglich teuer war. Vor der Heimreise besichtigten wir noch ein Schloss, von wo aus wir auch einen guten Blick über die Stadt hatten.

Oh, ja, nur um mich zu verteidigen (siehe Petes Blog): In der Jugendherberge verbrachte Pete auch einige Zeit damit, Monty-Python-Zitate zum Besten zu geben ;-)

Saturday, November 19, 2005

Nuisances II

Kontinuität kann manchmal etwas nerven, z.B., wenn auf einen schlechten Tag einer folgt, der gleich noch schlechter beginnt.
Mein schlechtes Gewissen entschloss sich dazu, mich um 7h aus dem Bett zu boxen, wonach ich widerwillig die Französischaufgabe erledigte. Sodann machte ich mich auf den Weg zum Sprachunterrichtsgebäude, das unnötigerweise 12 Gehminuten entfernt ist, was bei der derzeitigen Kälte und dem ansonsten gewohnten Campus-Komfort schon einigermaßen unbequem ist. Nicht, dass sich meine Motivation seit gestern wesentlich gesteigert hätte - ich wollte den Französischkurs eher aus sozialen Interaktionsgründen (tratschen vor, während und nach der Pause sowie beim anschließenden Mittagsessen) aufsuchen. Dennoch war ich positiv überrascht, als wir erstmalig nicht über Kindeserziehung sprachen, sondern über Immigration und Rassismus in Frankreich. Die aktuellen Geschehnisse miteinzubeziehen war offensichtlich zuviel verlangt, aber immerhin zeichnet sich ein Fortschritt in Bezug auf die Themenwahl ab. Leider war dies bereits der Höhepunkt des Vormittags, die folgenden Nachrichten ließen wohl bei den meisten meiner MitstudierendInnen ein großes, mentales Fragezeichen auftauchen. Nämlich, so wurde uns nun, gegen Ende des Kurses erklärt, dürfen nur die Studenten an der Prüfung teilnehmen, die mind. 4 von 7 Samstagen anwesend waren. Das bedeutet für mich, das ich die letzten beiden Einheiten nicht mehr fehlen darf. Das wäre ja nun nicht so schlimm (obwohl etwas seltsam, dass diese Regel erst jetzt eingeführt wird). Weit seltsamer war dann die nächste Meldung - nur Studenten, die Französisch in ihrem Studienplan haben, dürfen an der Prüfung teilnehmen. Gründe hierfür wurden keine genannt. Ich benötige das Fach nun nicht wirklich (und in meinem Studienplan finden sich keinerlei Sprachen), aber wenn ich mich schon an Samstagen aus dem Bett schleppe, dann möchte ich auch meine Freifach-Credits dafür bekommen. Man scheint hier aber wie üblich die unterschiedlichen Bildungssysteme zu ignorieren, u. da in Frankreich ein Freifachkonzept nicht zu existieren scheint, wird eine solche Möglichkeit auch gleich ignoriert. Ich werde nun am Montag versuchen, mein Learning-Agreement ändern zu lassen, um Französisch darin aufzunehmen. Bin gespannt, welche Umwege ich diesmal wieder um die französische Bürokratie nehmen muss.

Nuisances

Heute durften wir ein wenig Sonne genießen - die Stimmung verändert sich an solchen Tagen gleich allgemein zum positiven. Das war ein Glücksfall, ansonsten hätte ich mich über die drei Ärgernisse des Tages sicherlich schlimmer aufgeregt. Da ich meinen Arzt noch bezahlen muss, wollte ich ihn heute endlich aufsuchen, da ich die Zeit dafür seit Wochenbeginn nicht gefunden hatte. Nach einem kurzen Spaziergang in der Sonne (glücklicherweise wusste ich heute ja, wo ich hinwollte) stand ich also vor seinem Tor, das ich verschlossen vorfand. Ein Blick auf die Informationstafel genügte, um mir klarzumachen, dass ich die Öffnungszeiten besser bei meinem ersten Besuch aufgeschrieben hätte.

Montag: 10-12
Dienstag: 12-14
Mittwoch: 14-17
Donnerstag: 14-16
Freitag: 17:30-18:30

Nun, für meinen Garagendoktor (dies ist wie beschrieben nicht abwertend gemeint) scheint das ganze wohl wirklich eher Hobby als Beruf zu sein.
Da ich gegen 11h dort war, und um 17:30 keine Zeit hatte, um wiederzukommen, wird er nun auf sein Geld noch warten müssen. Mir ist es relativ egal, gesundheitlich bin ich ja fast wiederhergestellt.

Am Nachmittag traf ich mich dann mit Manu, einer Französischstudentin aus Österreich zum Kaffeetrinken, wo wir viele lustige Uni-Geschichten austauschten. Ich erhielt u.a. die Bestätigung, dass Professoren hier von einem Erasmus-Bonus nichts wissen, und Arbeiten völlig gleich bewerten wie solche französischer Studenten. Vom Kaffee aus konnten wir übrigens das Riesenrad am Grand Place bewundern, das dort seit einiger Zeit steht, umringt von weihnachtlich aussehenden Hütten, deren Zweck bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Sicherheitshalber ertönt aus der Mitte des Hüttenkreises bereits (überaus grauenvolle) Weihnachtsmusik. Was es mit dem ganzen auf sich hat, ist derzeit nicht bekannt, entsprechende Nachforschungen sind aber in vollem Gange.

Als in Gare Lille Flandres dann meine Heimreise antreten wollte, entschloss ich mich, mir eine Ausgabe der Tageszeitung "Le Monde" zu gönnen. Dies jedenfalls war meine Absicht, die allerdings von einem recht unfreundlichen Shop-Verkäufer vereitelt wurde, der sich strikt weigerte, mir meine gewählte Zeitung verkaufen. Begründet wurde das ganze mit einem an Freitagen geltenden Mindestpreis von 6.50 Euro. So sollte ich gezwungen werden, mir noch etwas auszusuchen, das ich eigentlich nicht wollte. Da sich der Verkäufer nicht erweichen ließ, und ich hingegen keinerlei Absichten hatte, 6.50 Euro auszugeben, und zuallem kein Freund dieser Art von Verkaufsstrategien bin, werde ich den Gratis-Le-Monde eben im Internet lesen. Ich hoffe, der Verkäufer hat mit 0 Euro tatsächlich mehr Freude, als mit dem Preis einer Tageszeitung, den ich gewillt war zu zahlen.

Leider sind die Ärgernisse des Tages damit noch nicht erledigt - auch wenn ich die folgenden dank der späten Stunde bereits dem Samstag zurechnen könnte. Französisch-Hausübung. Unnötig, ärgerlich, und leider noch nicht erledigt. Wie berichtet finden jeden Samstag 3h-Französischkurs statt. Leider hat sich dieser Kurs nicht gerade als besonders aufregend entpuppt. Genauer gesagt ist es der am wenigsten motivierende Sprachunterricht den ich jemals erleben musste (und beim Französischunterricht meiner Schulzeit ist das eine beachtliche Leistung). Leider kann man uns Naturwissenschaftler und Techniker mit Themen zur Kindeserziehung nicht unbedingt begeistern, und dies scheint das bevorzugte Thema unserer Professorin zu sein. Jedenfalls befassten sich bisher alle vier bisherigen Einheiten mit diesem spannenden Thema, das wohl jeder von uns schon in der Schulzeit (unter vielen anderen spannenden Themen) bis zum bitteren Ende (in Form von Schularbeiten) diskutieren und analysieren durfte. Die Motivationsfühler der Professorin scheinen leider derzeit defekt zu sein, sonst hätte sie bemerkt, dass sich niemand freiwillig an ihren gewünschten Diskussionen beteiligt. Der Lerneffekt bleibt denkbar gering, somit sinkt die Motivation unaufhörlich. Da ich den Kurs für mein Studium vermutlich nicht verwenden werde können, vernichtet das sogar den Wunsch, die Prüfung absolvieren zu können. Deshalb habe ich hier eine Angabe zu einer Aufgabe zum hochaktuellen, noch nie dagewesenen Thema "Fernsehen - schlecht für Kinder?" vor mir liegen, und soll eine Zusammenfassung darüber schreiben. Mal sehen, ob sich die Motivation um 00:30 dafür finden lässt.

Tuesday, November 15, 2005

November-Bulletin

Quoi de neuf?

Stephan verlässt unsere Heimatuni, und wechselt praktisch die Straßenseite, um sich fortan seiner Berufung als Sprachwissenschaftler im Fach Slawistik zu widmen. Weiters animiert er mich dazu, über ein Zweitstudium der Romanistik nachzudenken, was tatsächlich gewisse Reize hätte. Sollte ich nicht darauf vergessen, werde ich demnächst über etwaige Motivationen bloggen.

Pete hat sein Blog nach blogspot verschoben, der Link findet sich dauerhaft am Rand der Seite.

Die Unruhen - ich habe noch kein ausgebranntes Auto gesehen. Eine Freundin erzählt mir, dass gestern Nacht unter ihrem Fenster (im Nordwesten von Lille) eines gebrannt hat - sie hat dennoch gut geschlafen.

Kürbissuppe bei Auchan - im Supermarkt fand sich heute ein Kürbisbauer, der zur Unterstreichung der Qualität seines Produktes Kürbissuppe kochte, und diese in Achtelliterportionen austeilte. Ein alter Hut für einen Südsteierer, aber dennoch gut. Erstaunlich am Französischen ist, dass auch ein Kürbisbauer absolut klar verständliches Französisch spricht. Ich bin mir unsicher, ob ein Erasmus-Student (oder sogar ein deutscher Muttersprachler aus der BRD) einen der kürbispflanzenden Nachbarn meiner Eltern in der Südsteiermark verstehen könnte. Die deutsche Sprache scheint hier mehr Varianten in Bezug auf Aussprache offenzulassen. Wobei ich mir auch sagen habe lassen, dass ein Pariser gewisse Südfranzosen nicht verstehen könne.

Descartes & die Uni

Man sollte nicht hinter allem, was Descartes im Namen trägt, hochphilosophisches vermuten. In manchen Fällen (wie diesem) handelt es sich einfach nur um die schnöde Beschwerde eines desillusionierten Studenten über gewisse Professoren. Hätte Descartes solcherlei mitterleben müssen, wäre aus seinem berühmten "je pense, donc je suis" vielleicht ein "je m'emmerde, donc je dois être étudiant!?", oder auch ein "ils vivent pour les règles, donc ils sont professeurs" geworden. Man hat's manchmal nicht leicht, wenn Professoren nur für ihre Regeln zu leben scheinen, sich anscheinend eine Axiomatik für den Alltag zurechtgelegt haben, und diese dann streng formal anwenden, und dabei auf das vergessen, worauf Descartes, so scheint es mir als Nicht-Philosophen, eigentlich hinauswollte: die Fähigkeit, zu denken. Nicht anders kann ich mir das Verhalten eines meiner Professoren erklären, der zwar bisher sehr steif und förmlich, aber durchaus freundlich aufgetreten war. Als es aber daran ging, Zweiergruppen für eine (umfangreichere) praktische Arbeit zu bilden, fanden sich jeweils zwei Franzosen, die sich schon jahrelang kannten, und übrig blieben die drei Erasmen, die den Kurs besuchen. Nun - man hört ja einiges über den sogenannten Erasmus-Bonus, der in vielen Fällen Entscheidungen zugunsten der Studenten ausfallen lassen soll. Leider setzt dies voraus, dass ein Professor überhaupt weiß, was ein Erasmus-Student ist. Dies schien hier nicht der Fall zu sein. Auf die harmlose Frage, ob es denn möglich sei, zu dritt zu arbeiten, da Zweiergruppen ja offensichtlich nicht möglich waren, und wir ohnehin einen sprachlichen Nachteil hätten, erhielten wir die patzige Antwort, warum wir denn nicht gleich 20er-Gruppen machen würden. Nun - das würde gewiss der heutzutage allgegenwärtigen Forderung nach mehr Wirtschaftsnähe an den Unis entgegenkommen, aber eigentlich war das nicht meine Frage. Vielmehr schien mir der Professor etwas überfordert damit, flexibel auf neue Situationen reagieren zu können (Erasmus-Studenten), und althergebrachte, sorgsamst aufgestellte Regeln ein wenig aufzuweichen. Somit wird nun einer von uns alleine arbeiten müssen, und da meine beiden Kollegen Spanier sind, wird das Los wohl auf mich fallen. Nunja, ich bin's ohnehin aus leidvoller Erfahrung gewohnt, dass man gerechte Beurteilung und gute Arbeit am ehesten dann erwarten kann, wenn man die Arbeit selbst erledigt, oder mit Leuten, deren Fähigkeiten und Verlässlichkeit man gut kennt. Dennoch, gerade ein Erasmus-Jahr sollte wohl neben akademischer Weiterbildung wohl eines bringen: Kontakte, und die Gelegenheit, mit Leuten aus anderen Kulturkreisen zusammenzuarbeiten. Es ist schade, und meiner Meinung nach sogar bedenklich, wenn ein Professor dies aktiv verhindern möchte. Doch welchen Standpunkt ein Professor zu dieser Problematik einnehmen würde, der neben seiner Muttersprache nichteinmal vernünftig Englisch spricht, dürfte klar sein.
Ich habe auch zuhause bei einigen Professoren schon einiges an Unfreundlichkeit, Kleinlichkeit, nicht vorhandener Hilfsbereitschaft und sogar gewisse Tendenzen, in Studenten ein Feindbild zu sehen beobachten, erleben und akzeptieren müssen. Dennoch denke ich, dass die Hilfsbereitschaft Erasmusstudenten gegenüber in Graz größer wäre (wobei ich natürlich keine Wetten abschließen möchte). Der Fairness wegen muss ich noch hinzufügen, dass man das bisher auch für alle anderen Professoren hier in Lille, mit denen ich zu tun habe sagen kann. Bisher bin ich nur größtmöglicher Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit (wenn auch nicht unbedingt der Bereitschaft, Ausländern gegenüber deutlicher oder langsamer zu sprechen) begegnet. Doch es sind wie so oft die Negativbeispiele, die in die Welt geschrien werden wollen.

Wednesday, November 09, 2005

Das Wochenende im Krankenbett

Was sich seit letztem Donnerstag als leichtes Unwohlsein angekündigt hatte, war wenig beeindruckt von meinen Versuchen, das Kranksein im letzten Moment doch noch zu vermeiden (viel Ruhe, viel Tee, und dauerhaft einen Schal um den Hals), und hat sich über's Wochenende zu einer wirklich unangenehmen $GRIPPE entwickelt ($GRIPPE = hier: Oberbegriff für alle möglichen, nicht näher definierten Krankheiten), mit Hals- und Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und allem, was sonst doch dazugehört. Deshalb musste ich schweren Herzens mein Ticket für die am Samstag geplante Fahrt nach Boulogne (inklusive Besichtigung von Cap Griz Nez, Cap Blanc Nez, und des Aquariums in Boulogne) abgeben, und habe hauptsächlich das Bett gehütet (bis ich meine Post abgeholt habe, und freudig meinen Internetanschluss in Betrieb nehmen durfte). Da sich meine Beschwerden bis Montag zwar verändert, aber nicht verringert hatten, entschloss ich mich dann schließlich am Dienstag nachmittag einen Arzt aufzusuchen.
Nun ist ja dieses Jahr der althergebrachte Krankenschein in Österreich von einer Chipkarte ersetzt worden, auf deren Rückseite sich angeblich) EU-einheitliche Informationen finden, die die Karte zur europäische Versicherungskarte machen. Soweit die Theorie. Praktisch hatte ich keine Ahnung (und konnte auch keine näheren Informationen dazu finden), wie genau ein Arztbesuch mit Hilfe dieser Karte abläuft.
Erstmal musste ich aber einen Arzt finden, und warf dafür einen Blick ins Telefonbuch. Villeneuve d'Ascq hat ca. 60000 Einwohner - in den gelben Seiten fanden sich 60 praktische Ärzte. Da somit jeder zweite Block seinen eigenen Arzt zu haben scheint, geht man offensichtlich auch davon aus, dass alle Welt weiß, wo der nächste Arzt zu finden ist. Ich hatte mir die Adresse von 5 Ärzten notiert, es gelang mir jedoch erst beim vierten, ihn auch zu entdecken (was nicht schlimm war, weil alle 4 innerhalb von 5 Gehminuten wohnen *sollten*). Hausnummern sind hier absolute Mangelware, und keiner der ersten drei Ärzte befand es für nötig, ein Schild sichtbar aufzustellen. Der vierte Arzt schließlich half mir mit einem solchen Schild, ich trat frohen Mutes durch ein Tor - und wusste erneut nicht weiter. Ich sah nichts, was auch nur im entferntesten dem Anblick einer Arztpraxis, wie ich sie von zuhause gewohnt bin ähnelte. Ein Einfamilienhaus, ein Gartenhäuschen/Garage, Ende. Die Frau Gemahlin des Arztes schließlich zeigte mir den Weg - ins Gartenhaus. Hinter einer Tür, wo man normalerweise Besen und Heckenscheren vermuten würde befand sich ein Wartezimmer für ungefähr 6 Personen. Eine Anmeldung o.ä. war nicht nötig, als ich nach über einer Stunde endlich an der Reihe war, wurde ich durch eine Tür geführt, und fand mich wider Erwarten nicht zwischen Rasenmäher und sonstigen Gartenutensilien wieder, sondern in einer sehr einfach eingerichteten Arztpraxis wieder. Dennoch hatte ich natürlich vor, allem neuen und fremdartigen gegenüber aufgeschlossen zu sein, wie sich das für einen braven Erasmus gehört. Mein guter Wille wurde aber gleich darauf auf eine harte Probe gestellt - meine Plastikkarte beeindruckte den Arzt gar nicht - er wusste schlicht nicht, was er da vor sich hatte. Villeneuve d'Ascq ist so weit abseits aller touristischen Ziele, dass aller Wahrscheinlichkeit nach ein verschwindend geringer Prozentsatz der 60 Hausärzte schon einmal einen Urlaubskrankenschein gesehen haben. Dennoch, dank meiner Bereitschaft, den Arztbesuch selbst zu bezahlen wurde ich dann untersucht, und mein Eindruck verbesserte sich rapide. Die Untersuchung war gründlicher als ich das von zuhause gewohnt bin, der Arzt war freundlich und wirkte kompetent. Anstatt des üblichen Ratens zuhause stellte er mittels einer biologischen Analyse fest, ob es sich um eine bakterielle oder virale Krankheit handelte (letzteres traf zu), verschrieb mir ein Rezept, und bat mich, in ein paar Tagen wiederzukommen. Über meine eCard schüttelte er nochmal den Kopf, und meinte, er hätte genauso wenig Ahnung wie ich, wie ein Arztbesuch mit derselben ablaufen würde. Nun habe ich zwei Bestätigungen (von Arzt und Apotheke), für die ich hoffentlich irgendwo Geld bekomme - wo genau weiß ich nicht, aber ich bin zuversichtlich, dass ich diese Hürde auch meistern werde, nachdem ich es geschafft habe, in Villeneuve d'Ascq einen Arzt zu finden ;-)

Warum ich überhaupt krank geworden bin? Weil mich meine Heimreise durch London geführt hat, die günstigste Route (dank Ryanair). Auf der Rückreise musste ich gezwungenermaßen eine Nacht in London verbringen, da Ryanair aus Graz etwa eine Stunde zu spät ankommt, um den letzten Eurostar nach Frankreich noch erwischen zu können, sodass ich mich entschloss, den darauffolgenden Tag für eine kurze Besichtigung Londons zu nützen. Übernachtet habe ich direkt neben der St. Paul's Cathedral, in der Jugendherberge City of London, was mich zwar fast 40 Euro gekostet, mir dafür aber eine ideale Startpostition für meine Erkundung der Stadt verschafft hat.
Nach einer kurzen Tour zu Fuß zum (geschlossenen) Covent Garden, sowie Trafalgar Square am Abend, startete ich meine Tour in der Früh (nach einer Frühstückskonversation mit einem australischen Rechtsanwalt, der von Austrian Airlines maßlos begeistert war) in Richtung Tower of London, auf dessen Besichtigung ich dann aber aufgrund der Eintrittspreise (14 Pfund!) verzichten musste. Stattdessen untersuchte ich nach Überquerung der Tower-Bridge alle neun Decks der HMS Belfast, kehrte in die City zurück um St. Paul's Cathedral auch bei Tag zu besichtigen, und klapperte anschließend die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt ab (Trafalgar Square, Covent Garden, Picadilly Circus, Treasury, Big Ben, Houses of Parliament, ...). Das ganze hätte ein wirklich angenehmer Tag sein können, das Problem waren nur einerseits die völlig überhöhten Preise, und der von 11h Vormittags beständige Nieselregen, gegen den mein Schirm wenig half, weil die feinen Tropfen vom Wind seitlich unter den Schirm befördert wurden, und ich somit ab ca. 13h völlig durchnässt durch London stapfte. Zu guter letzt hatte noch mein Eurostar 50min Verspätung, sodass ich gegen 23h in Lille erschöpft ins Bett fiel.

Sunday, November 06, 2005

Konfuzius, Internet und Lebenszeichen

" Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. So wird dir viel Ärger erspart bleiben." soll Konfuzius vor ziemlich langer Zeit gesagt haben. Ich halte das für einen Fehler in der Geschichtsschreibung, denn wie soll Konfuzius 500 v. Chr. schon von Cegetel, Neuftelecom und dem ganzen Rest der Liga der außergewöhnlich inkompetenten Unternehmen gewusst haben, worauf der oben genannte Ausspruch ja offensichtlich bezogen ist.
Im Glauben an die Hoffnung berichte ich nun von der hoffentlich letzten Etappe auf meiner zwei Monate andauernden Odyssee zum Internetanschluss: Am Samstag, den 22. Oktober habe ich mich wieder einmal mit der freundlichen Neuftelecom-Hotline unterhalten, die mir versichert hat, es sei alles in Ordnung, obwohl ich nach 4 Wochen warten noch keinerlei Reaktion von Neuf zu sehen bekommen hatte. Ich sollte mich doch bitte bis zum darauffolgenden Montag gedulden, dem spätestmöglichen Datum der Anschlussherstellung. Braver Kunde der ich bin habe ich das dann auch gemacht. Nur, um am Dienstag (da ich am Montag natürlich nichts erhalten hatte) festzustellen, dass ich die Hotline nicht mehr erreichen konnte. Das automatische System wollte mich nicht mehr erkennen, und weigerte sich somit auch, mich zu irgendjemandem durchzustellen. Nur mit viel Verrenkungen konnte ich dann doch mit einem Mitarbeiter des hochgradig effizienten, verlässlichen und kundenfreundlichen Unternehmens Neuftelecom sprechen, der bereitwillig eine "neue" Bestellung aufnahm, und mir Versprach, eine Woche später würde ich mit der Anschlussherstellung rechnen können. Die folgende Woche verbrachte ich dann auf Heimaturlaub zuhause, als ich wiederkam konnte ich tatsächlich einen Brief von Neuf im Postfach bewundern.
Leider löste das Öffnen des Briefes nicht die erwarteten Freudensprünge aus, sondern stürzte mich in die tiefe Verzweiflung, die ein Internet-Addict angesichts der Aussicht, weitere 8 Monate ohne Vernünftigen Netzzugang zu verbringen empfindet. Neuf teilte mir freundlich mit (nachdem sie 3 Bestellungen von mir akzeptiert , und 2 davon verloren hatten), dass eine Anschlussherstellung nicht möglich sei, weil das Netz von Neuf zur Zeit ausgelastet sei. (Ob es wirtschaftlich gesehen sonderlich gescheit ist, jedem Nutzer 20Mbit zu "schenken", die er meistens nicht braucht, und dafür nur halb soviele Kunden versorgen zu können, ist eine Frage, deren Schwierigkeitsgrad meinen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen offensichtlich nicht angemessen ist. Ich bin mir sicher, dass die geballte Kompetenz bei Neuftelecom das bestmögliche für jedermann tut)
Tja. Ich hatte bereits resigniert, und wäre wohl am Montag zu France Telecom gegangen, um für eine lächerliche Bandbreite zuviel Geld zu zahlen, doch manchmal ist das Schicksal einfach lustig. Heute erwartete mich wieder einmal ein Brief von Cegetel, als ich lustlos die Post abholte. Mit der Mitteilung, dass mein Anschluss hergestellt wurde. Ich rufe erneut in Erinnerung: Den Anschluss bei Cegetel habe ich schon zweimal gekündigt, um nicht aufgrund der falschen Auskünfte der Hotline 2 Anschlüsse bezahlen zu müssen. Kündigungen werden offensichtlich ignoriert. Hoffe ich jetzt jedenfalls - da mein Anschluss tatsächlich funktioniert (die Geschwindigkeit ist zwar weeeit von 20Mbit entfernt, und entspricht eher 2-3Mbit, aber über solche Kleinigkeiten beschwere ich mich längst nicht mehr), habe ich Cegetel telefonisch darüber informiert, dass meine Kündigung hinfällig ist. Bin gespannt!

Da sich nun doch die Müdigkeit meldet, hier nur noch das nötigste Update:

Wie im ersten Posting versprochen, hier nun der Link zu Wolles sehr lesenswertem Blog.

Und weil wir schon bei blog-Links sind, Michi hat seit heute auch ein Tagebuch der öffentlichen Art.

Weiteres demnächst...