Erasmus à Lille

In diesem Blog möchte ich meine Erlebnisse als Erasmus-Student während meiner zwei Semester in Frankreich (Lille) schildern. Lille, eine Metropole im Norden Frankreichs, wird ab 1. September 2005 meine Heimat für 10 Monate werden. An meinem Leben als Erasmus-Student, den vielen neuen Eindrücken beim Umzug in ein fremdes Land und allem was mich noch erwartet, möchte ich euch auf diesem Wege teilhaben lassen.

Tuesday, October 18, 2005

Bin wieder da!

Nein. Ich habe noch immer keinen Internetanschluss. Ich finde das einfach nur mehr unglaublich. Cegetel, Neuftelecom, ein Beispiel an Inkompetenz und Kundenverachtung. Diese Woche werde ich wohl wiedermal mit einer (kostenpflichtigen) Hotline telefonieren.

Was gibt's sonst neues? Ja! Ich habe meinen Studentenausweis! Hat auch nur 6 Wochen gedauert, nachdem die zuständige Stelle meine Fotos verloren hatte, ohne mir selbiges auch mitzuteilen. Der Ausweis ermöglicht mir nun (abgesehen von günstigeren Kinotickets) den Internetzugang in Computerräumen und im Wlan der Uni. Tja - gelobt sei der gute alte pluto.tugraz.at zuhause, sowie der Rest der heimischen Informatik-Infrastruktur. Weder die Computer in den Arbeitsräumen, noch der Wlan-Zugang ermöglichen irgendetwas außer www, womit das ganze für mich relativ sinnlos ist, abgesehen von mailen und bloggen.

Eigentlich hatte ich ja vor, alle Geschehnisse zwischen 1.9. und dem Tag X, an dem ich meinen Internetanschluss bekomme nachzutragen, da ich aber nicht damit gerechnet hatte, dass ich einen Bericht über mehr als 7 Wochen abliefern würde müssen, werden meine geschätzten zwei bis drei Leser wohl darauf verzichten müssen. Sorry!

Reisen! Ein essentieller Teil des Erasmus-Lebens - leider weiß man das hier auf der Uni nicht. Deshalb wurde uns am Samstag-Vormittag ein Französischkurs aufgebrummt. Dabei gäbe es genügend Zeit unter der Woche. Da man aber für die geniale Entscheidung, den Samstag für besagten Kurs zu nutzen, 6 Wochen gebraucht hat, gab es bisher immerhin drei Wochenend-Trips.
1.) Paris. Freitag Abend bis Sonntag Abend. Unterkunft: Die Wohnung von Stephan's Onkel am Montmartre. Très pratique, et vraiment pas cher! ;-)
Dank der Journées du Patrimoine haben wir die meisten Sehenswürdigkeiten von außen (inklusive km-langer Warteschlangen) gesehen. Die erste TGV-Fahrt macht Lust auf mehr. Teilnehmer: Pete, ich, Stephan (vor Ort), Wenzel (am Samstag aus Rouen angekommen).
2.) Calais. Ein sonntäglicher Kurztrip (fast) aller Erasmus-Studenten an die Küste. Calais ist sehr unspektakulär, die Restaurants touristisch, der Strand groß, sandig, windig, das Wasser nass.
3.) Letztes Wochenende: Freitag Abend bis Sonntag Abend. Bruxelles, Anvers (Brüssel, Antwerpen). Der abenteuerlichste Ausflug bisher. Teilnehmer: Pete, Oriane, ich. Für Bruxelles hatten wir noch eine Reservierung für ein 3-Bett-Zimmer in einer Jugendherberge ergattert, für Anvers sah's aber düster aus. Die eine Herberge, deren Nummer wir gefunden hatten, war voll. Von Brüssel aus konnten wir mittels Touristeninfo noch drei weitere ausfindig machen, die ebenfalls alle ausgebucht waren. Da wir aber die Zugtickets bereits hatten, beschlossen wir aber trotzdem, am Samstag abend nach Antwerpen zu fahren. Nach unserer Ankunft hatten wir exakt 2h, um einen Schlafplatz zu finden, oder mit dem letzten Zug vorzeitig nach Lille zurückzufahren. Die zwei Stunden verbrachten wir im schnellen Gehschritt, und erfuhren so, wie sich eine verärgerte Französin anhört ("Arretez! Qu'est-ce que vous faites???". "On marche". "vous allez ou?!" "chais pas, on cherche"). Antwerpen hat viel zu wenige Hotels, sodass wir in zwei Stunden vielleicht 5 negative Antworten einholen konnten, oder an wenigen Hotels vorbeigingen, die eindeutig nicht leistbar aussahen. 10min vor Abfahrt des Zugs nach Lille weigerte sich der Bahnbeamte glücklicherweise, unsere Tickets umzutauschen, weil wir sie in Frankreich gekauft hatten. Stattdessen empfahl er uns ein Billighotel in Bahnhofsnähe, das wir davor nicht bemerkt hatten. Und siehe da, wir hatten Glück. Das Hotel war 5-10 Euro teurer als jede Jugendherberge, dafür aber weniger schön ;-) Wir haben's aber überlebt, und konnten somit Antwerpen doch noch in langsamerem Tempo besichtigen. Eindrücke:
Brüssel: Eine "schöne" Stadt. Sehr aufgeräumt, sehr sauber, aber leider ohne Ausstrahlung. Die wenigen Plätze mit Flair sind überlaufen von Touristen.
Antwerpen: Weit schöner, eine Stadt zum wohlfühlen, die meisten Touristen kommen aus der Region. Der Kaffee ist viel billiger und besser als in Frankreich ;-)
Rückfahrt im Zug: Oriane wollte Deutsch lernen. Ich habe mich bemüht, deshalb kann sie jetzt viele nützliche Dinge sagen. "Ich möchte gerne zwei blaue Katzen kaufen. Ich bevorzuge sie gut durch mit Knoblauch. Bitte packen sie sie als Geschenk ein, der König hat nächste Woche Geburtstag.". "Ich möchte zwei Löffel Zucker kaufen". "Wo kann man hier gut und günstig Bleistifte essen?". "Können sie ein Gefängnis empfehlen?".
Seltsamerweise fand sie die Übersetzung weit weniger Lust als ich und Pete, die wir von Lachkrämpfen geschüttelt wurden, während Oriane sich ehrliche Mühe gab, und diese wirklich wichtigen Phrasen vor sich hinsagte ;-)

Mein Erasmus-Koordinator hier hat mir die falschen Daten für zwei Kurse gegeben. Habe deshalb einiges versäumt, und mein Stundenplan ist vollständig durcheinander.

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