Erasmus à Lille

In diesem Blog möchte ich meine Erlebnisse als Erasmus-Student während meiner zwei Semester in Frankreich (Lille) schildern. Lille, eine Metropole im Norden Frankreichs, wird ab 1. September 2005 meine Heimat für 10 Monate werden. An meinem Leben als Erasmus-Student, den vielen neuen Eindrücken beim Umzug in ein fremdes Land und allem was mich noch erwartet, möchte ich euch auf diesem Wege teilhaben lassen.

Monday, August 29, 2005

Los geht's!

So, nun beginnt das eigentlich erasmus-bloggen! (Wolfgang: Dein Blog ist übrigens noch ausständig!)

Morgen geht's los - nach vielen Monaten voller positiver und negativer, hauptsächlich aber anstrengender Erfahrungen, doppelt und dreifach ausgefüllter Formulare (mangels Bürgerkarte noch auf altmodische Weise unterschrieben), Hindernissen, freundlicher französischen Erasmus-Koordinatoren und unfreundlichen Telering-Richtlinien uvm. trete ich morgen endlich die Reise nach Lille an. Vorerst allerdings noch nicht auf mich alleine gestellt, meine Eltern transportieren mich und mein ganzes Gepäck im Wohnmobil zu meiner neuen, 1200km weit entfernten Heimat in der Rue Avesnes.

Die letzten TODOs meiner Liste werden morgen erledigt: ADSL-Modem zurückbringen, evtl. Passfotos machen, usw.
Sachen eben, die man bis zum Schluss anstehen lassen muss ;-)

Die Wohnungssuche wurde über's Wochenende wieder zum Problem, das erst heute vom Vermieter beseitigt wurde. Zwei meiner WG-Kollegen sind abgesprungen: Sehr angenehm für mich, der ich am Donnerstag einziehen möchte/muss. Da es recht schwierig ist, auf die schnelle fixe Zusagen neuer Leute zu bekommen, hatte ich bereits begonnen, mich nun doch auf eines der berüchtigten schimmligen französischen Studentenheimzimmer einzustellen.
Schließlich kam aber die erlösende Email des Vermieters mit dem Hinweis, dass jeder WG-Bewohner für sich einen Vertrag abschließt, und nicht dafür verantwortlich ist, dass es noch drei weitere zahlende Kunden gibt. Sehr, sehr angenehm. Somit kann ich halbwegs beruhigt am Donnerstag einziehen, neue Interessenten haben wir ja ohnehin schon wieder.

Eine meiner ersten Tätigkeiten in der neuen Wohnung wird natürlich das Bestellen eines Internetanschlusses sein (der in Frankreich übrigens sagenhaft günstig sein wird, verglichen mit dem breitbandtechnologischen Entwicklungsland Österreich), dennoch werde ich wohl erst in einigen Tagen wieder Gelegenheit haben, live vom aktuellen Geschehen zu berichten.

So, die letzten Kleinigkeiten wollen eingepackt werden...

Wednesday, August 24, 2005

Kundenfreundliche Unternehmen...

...finden sich nicht in der Telekom-Branche.

Ich wollte ganz blauäugig meinen Telefontarif ändern, von Telering Mobil-90 mit 90 Freiminuten, die ich im Ausland ohnehin nicht nutzen werde können auf Wertkarte, die mir die Grundgebühr erspart. Tja, das hört sich einfacher an, als es ist.
Bis 1. September bin ich noch innerhalb der Mindestvertragsdauer. Deshalb sah sich die freundliche Telering-Mitarbeiterin gezwungen, mir wie einem Kind zu erklären, dass ein Wechsel in ein niedrigeres Tarifmodell nicht möglich sei. Den Einwand, der Wechsel mit 2. September wäre mir früh genug, wurde zuerst nicht verstanden, schließlich wurde ich aber darüber informiert, dass das ja dann kein Problem sei, wenn ich am 2. September anrufen würde.
Warum das denn nicht jetzt gleich möglich sei? Weil ich in der Mindestvertragsdauer bin. *ächz*. Ja, schon klar, aber warum kann ich nicht jetzt bekanntgeben, dass ich wechseln will, und Telering erledigt das freundlicherweise am 2. September? Das ist nicht möglich. Warum nicht? Weil's nicht möglich ist. Aha. D.h., ich muss dann Roaming-Gebühren bezahlen, um aus dem Ausland anzurufen, damit ich dann meinen Tarif wechseln kann? Nein, das kostet nichts. Aus dem Ausland? Ganz sicher? Ja. Ganz sicher. Ganz sicher? Ja, aber sie fragt nach. Oh, tut ihr leid, ich hatte recht, das kostet doch etwas.
Kann ich das schriftlich machen? Das wollte noch niemand wissen, sie fragt nach. Ja, kann ich. Ok, dann schicke ich jetzt also einen Brief, in dem steht, dass ich mit 2. September wechseln will? Nein, erst am 2. September kann ich den schicken. ARGHL!

Tuesday, August 23, 2005

L'auberge espagnole en France, deuxième partie

Der Wahnsinn kann beginnen. Soeben hat Maria Erfolg bei der Wohnungssuche vermelden können. Maria ist übrigens das De-Facto-Oberhaupt unserer "petite famille", wie sie sich und ihre Mitbewohner so gerne nennt.
Tja - am 1. September ziehe ich in eines von vier Zimmern in einem Haus in Zentrumsnähe ein. 170m² für 5 Leute - weniger hätt's auch getan, wenn man mich fragt, aber da in Lille der rücksichtslose Kampf um Wohnungen in vollem Gange ist, werden Zweifel schnell unter den Tisch gekehrt.
So ca. 370 Euro wird das internationale Flair in der WG mit der bereits beschriebenen Belegschaft monatlich kosten. Im Grunde nicht so viel mehr, als meine Schwester auch hier zuhause zahlt, aber für mich, der ich bisher glücklicherweise von derartigen Zahlungen verschont geblieben bin, doch ein ziemlicher Brocken. Ich zähle auf die staatliche Wohnbeihilfe (und geplünderte Sparbücher ;-)
Der Vermieter will anscheinend eine schriftliche Bestätigung von mir. Tja, das werde ich ihm noch ausreden, einen derartigen Brief würde ich wohl überholen. Lieber schüttle ich ihm nächste Woche die Hände.
So, ab zum Frisör mit mir - dringend benötigt, lange vor mir hergeschoben.

Friday, August 19, 2005

TODOs

Ich hoffe, ich verbrauche nicht zuviel Motivation, wenn ich gleich zwei Beiträge am selben Tag poste.

Die beste verkehrstechnische Erfindung der Neuzeit? Ryanair.
Am liebsten würd ich andauernd nur hin- und herjetten, aus Freude an den "web-fare"-Preisen. Für 15 Euro Graz-London und retour? Klar, da kommt noch alles mögliche dazu, trotzdem ist das schon sehr verlockend.
Eine Fahrt nach Lille mit der guten alten Eisenbahn kostet nämlich so ca. 200 Euro, dauert einen vollen Tag, und ist somit nicht das, was ich mir unter effizientem Reisen vorstelle. Wenn ich stattdessen den Umweg über London mache, muss ich zwar noch den Stansted-Express sowie den Zug von London nach Lille bezahlen, trotzdem bleibt der Gesamtpreis (je nach Reisedatum mehr oder weniger weit) unter dem Preis einer Zugfahrt, und das zugegebenermaßen etwas stressigere Unternehmen dauert höchstens einen halben Tag. Es lebe die Bahn! Für Fahrten von Graz nach Wien. Höchstens.
Gut, eine "richtige" Bahn ist natürlich ohnehin etwas anderes. Laut jüngsten Recherchen werde ich von Lille aus in knapp 5h durch ganz Frankreich ans Mittelmeer düsen können, für 70 Euro pro Fahrt. Das gefällt mir schon besser.

Hm...ständig fallen mir neue Dinge ein, die noch zu tun sind, bevor ich fahre. Unglaublich auch, wofür ich regelmäßig Geld bezahle. Hat mir das jemand gesagt, dass die Tageszeitung nicht gratis kommt? 35 Euro für den Internetzugang im Monat? Ich wohne im falschen Land.

Naja...

- Internetzugang: kündigen
- Tageszeitungs-Abo: kündigen
- Kfz-Versicherung: abmelden
- Mobiltelefon: auf Grundgebührfreien Vertrag ummelden, oder kündigen
- iX-Abo: kündigen
- Beziehung: wurde vorsorglich bereits von der Gegenpartei gekündigt :-(

L'auberge espagnole en France

Wooohooooooo!

Ich hab's tatsächlich geschafft, mich trotz meiner momentanen Lethargie aufzuraffen, und den ersten Eintrag in meinem neuen Tagebuch zu verfassen, das mich - so mich die Motivation nicht verlässt - die nächsten 10 Monate begleiten wird.
Für anhaltende Motivation ist gemäß einer Abmachung wenigstens zum Teil Wolle verantwortlich, der mich mittels seines eigenen blogs (Link bei Verfügbarkeit hier zu finden) über Neuigkeiten aus der Heimat am Laufenden halten wird, wofür ich es im Gegenzug nicht verabsäumen werde, von den wichtigsten Neuigkeiten aus Lille zu berichten.

Zwölf Tage bleiben noch ungefähr bis zur Abreise. Zwölf Tage, um die letzten Arbeiten für die Uni zu erledigen, zwölf Tage, um die letzten Formalitäten zu erledigen, zwölf Tage, um mich von Johanna ein letztes mal quälen zu lassen, zwölf Tage, um mich von allem hier für längere Zeit zu verabschieden. Nachdem mich die Abreise nun monatelang relativ kalt gelassen hat, stellen sich nun seit einigen Tagen doch wehmütige Gefühle ein. Gestern habe ich mich beim Gedanken ertappt, dass mir sogar meine kleine, provinzlerische Heimatstadt mit ihrem kaputten Verkehrssystem fehlen wird.

Wohnungssuche - eine nervende, zeitraubende, schwierige Angelegenheit. Wenn man vor Ort ist. Ein aussichtsloses Unterfangen jedoch, wenn man 1218km (www.viamichelin.com) vom gewünschten Wohnort entfernt ist.
Nach längerer, erfolgloser mailerei stehe ich nun wenigstens mit 4 anderen Studenten in Kontakt, die Interesse an einer WG nach dem Modell der Auberge Espagnole (aus dem gleichnamigen Pflichtfilm für jeden zukünftigen Erasmus-Studenten, dessen Nachfolger übrigens am 15. Juni in Frankreich angelaufen ist) haben. Ein spanisches Paar, zwei Französinnen, ein Österreicher. Noch nicht ganz so international wie im Film, aber doch recht interessant. Lasse ich mich durch die Tatsache beunruhigen, dass ich seit einer Woche nichts mehr von ihnen gehört habe? Nein - ich habe beschlossen, mir eine gewisse Lockerheit anzuerziehen, ohne gleich bei jedem potentiellen Problem Schweissausbrüche zu bekommen.

Mehr demnächst an der selben Stelle, für heute Abend steht ein Kaffeetrinken mit einem Studienkollegen am Programm, und sowas will gut vorbereitet sein ;-)